01.06.2013

Salzach frei fließend oder mit Kraftwerk?

Bild: Salzach Ortstermin
SPD-Kreistagsfraktion informierte sich bei Ortstermin an der Salzach mit Befürwortern und Gegnern der Wasserkraft
Die Zukunft der Salzach und die Frage einer möglichen Wasserkraftnutzung lösen seit vielen Jahren leidenschaftliche Diskussionen im Landkreis aus. Um sich vor Ort ein ausgewogenes Bild zu machen, traf sich die SPD-Kreistagsfraktion gemeinsam mit dem SPD-Kreisvorsitzenden Roman Niederberger und Stadt- und Gemeinderäten aus der Region an der Salzach mit Befürworten und Gegnern eines Wasserkraftwerks.

In seiner Begrüßung bei Flusskilometer 56,1 - die exakte Stelle, an der ein mögliches Wasserkraftwerk entstehen könnte - erinnerte Hans Metzenleitner an den Beschluss des Kreistags für die sogenannte Hauptvariante der Salzachsanierung, die eine Aufweitung auf 130 bis 140 Meter sowie den Bau von zwei Sohlschwellen vorsah. „Dieser Beschluss ist mit breiter Mehrheit gefasst worden; auch die SPD hat ihn einhellig unterstützt“, führte der Fraktionsvorsitzende aus. „Nachdem zunächst einige wichtige Maßnahmen für den Hochwasserschutz umgesetzt worden sind, ist die Sanierung nun ins Stocken geraten und die Diskussion um andere Varianten und eine Wasserkraftnutzung hat eine neue Dynamik erhalten“, stellte er fest. Deswegen wolle sich die SPD über den aktuellen Sachstand informieren und die Argumente von Kraftwerksbefürworten und -gegnern genauer betrachten.

Die Argumente für ein Wasserkraftwerk stellte der Bürgermeister von Saaldorf-Surheim Ludwig Nutz dar. Als Gegner der Wasserkraftnutzung und Befürworter einer naturnahen Flussgestaltung konnten die Sozialdemokraten Erich Prechtl vom Bund Naturschutz und der Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach begrüßen.

Bürgermeister Ludwig Nutz erinnerte in seinem Beitrag zunächst daran, dass das 2009 begonnene Planfeststellungsverfahren für die Salzach noch nicht abgeschlossen ist. Insbesondere die Grundstückseigentümer in der Nähe der Salzach sehen die von den Fachbehörden überarbeitete Planung als nicht tragbar an, weswegen mehr als 80 Einsprüche in dem Verfahren eingelegt wurden. „Eine Aufweitung um zusätzlich mehr als 150 Meter ohne einen festen Abschluss ist im Gegensatz zu den ursprünglichen Planungen, die auf bayerischer Seite vor allem staatlichen Grund betroffen hätten, nicht tragbar“, machte er seine Position deutlich. Er sprach sich für das Konzept der Österreichisch-Bayerischen Kraftwerke AG aus, das bewegliche, aneinander gekoppelte Erzeugungsmodule vorsieht. „Mit diesem innovativen Konzept, dass ohne große Eingriffe in den Auwald auskommt, wird sowohl dem Schutz der Fische Rechnung getragen als auch Durchgängigkeit für das Geschiebe geschaffen“,
argumentierte er. Durch das Kraftwerk könne Strom für bis zu 26.000 Haushalte produziert werden.

Erich Prechtl erinnerte in seinen Ausführungen daran, dass Umweltschützer bereits seit 1960 gegen Kraftwerke an der Salzach und für einen naturnahen Fluss streiten und sich dann ab 1987 in der Arbeitsgemeinschaft Lebensraum Salzach zusammengeschlossen haben. „Die nach dem Jahrhunderthochwasser 2002 bei Triebenbach errichtete Rampe zeigt eine sehr deutliche positive Wirkung“, stellte er fest. Im Gegensatz zu den Ausführungen im Konzept der ÖBK AG bedeute eine Wasserkraftnutzung sehr wohl einen massiven Eingriff in die Natur. „Ein Wasserkraftwerk bildet ein Abflusshindernis und entfaltet Wirkungen auf den gesamten Flussverlauf. Im weiteren Verlauf der Salzach nach dem Kraftwerk ist mit Wassermangel zu rechnen“, führte er aus. Auch den Schutz der Fische sieht er mit den vorgelegten Planungen nicht realisiert. „Die Salzach ist der letzte Fluss im Alpenbereich, der noch auf 60 Kilometern frei fließen kann. Das sollte man nicht für ein umstrittenes Wasserkraftwerk opfern“, plädierte der Umweltschützer und wies auf die hochaktuelle Diskussion über einen Naturpark Salzachauen hin.

Eine bemerkenswerte Einigkeit zwischen Bürgermeister und Naturschützer ergab sich in der positiven Beurteilung der ursprünglichen Planung, die vom Kreistag Berchtesgadener Land beschlossen wurde. Unabhängig von der Frage einer Wasserkraftnutzung könne man sich mit der ursprünglich geplanten Aufweitung auf 140 Meter durchaus anfreunden, stellten Erich Prechtl und Ludwig Nutz fest.

Zum Abschluss des Treffens bedankte sich Hans Metzenleitner bei den beiden Referenten für die engagierte, aber stets sachliche Debatte und kündigte an, dass sich die SPD-Kreistagsfraktion in den nächsten Wochen dem Thema Salzach noch genauer widmen wird. Angesichts der Klimaschutzdebatte um erneuerbare Energien einerseits und der ökologisch bedenklichen Denaturierung weiter Lebensräume andererseits gibt es hier keine einfach gestrickte Lösung, um die drei Eckpunkte Hochwasserschutz, Flussökologie und regenerative Energiegewinnung unter einen Hut zu bringen.


Bildunterschrift:
Die SPD-Kreistagsfraktion informiert sich vor Ort über Chancen und Risiken einer Wasserkraftnutzung an der Salzach.

v.l.n.r.: Georg Quentin, Dr. Klaus Koch, SPD-Landtagskandidat Roman Niederberger, die beiden Referenten Erich Prechtl vom Bund Naturschutz und der Bürgermeister von Saaldorf-Surheim Ludwig Nutz, Fraktionsvorsitzender Hans Metzenleitner, Margitta Popp


Kreistagsfraktion Hans Metzenleitner Roman Niederberger 

zurück
Termine

28.09.2017 10.30 h
Jahreshauptversammlung

mit Delegiertenwahlen für die Landtags- und Bezirkstagswahlen
Mehr Infos...

07.10.2017 19:00
Monatsversammlung der SPD Teisendorf

Die Mitglieder der SPD Teisendorf treffen sich, um über aktuelle Themen zu diskutieren.
Mehr Infos...

Alle Termine...

Dr. Bärbel Kofler

Dr. Bärbel Kofler
Unsere Bundestagsabgeordnete - Für Sie in Berlin

Dr. Herbert Kränzlein

Dr. Herbert Kränzlein
Unser Landtagsabgeordneter - Für Sie in München

Maria Noichl

Maria Noichl
Unsere Europaabgeordnete - Für Sie in Brüssel
Mitglied werden